Die größten Irrtümer zum Thema Zucker

Brauner Zucker ist gesünder als Weißer, Honig ein super Ersatz für Zucker und Traubenzucker stärkt die Konzentration. Rund um den süßen Stoff gibt es viele Mythen. Was wirklich stimmt und was wir vielleicht nur glauben zu wissen, klären wir hier.

Fruchtsäfte

Benötigt der Mensch täglich Zucker?

Die Antwort zu dieser Frage ist schnell gegeben: Ja wir brauchen Zucker, allerdings ist Zucker nicht gleich Zucker. Was der Körper täglich zur Energiezufuhr und vor allem auch das Gehirn für all seine komplexe Arbeit braucht, ist Glukose. Statt künstlichem Zucker benötigen wir also Glukose, ein natürlicher Zucker, den unser Körper geschickter Weise aus vielen Lebensmitteln selbst gewinnen kann. Zum Beispiel aus Obst, Gemüse, oder aus den Kohlenhydraten von Brot oder Kartoffeln. Den künstlichen Zucker, der beispielsweise in Fruchtsäften, Süßigkeiten, Saucen oder Fertiggerichten enthalten ist, sollten wir dahingegen so oft es geht vermeiden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine tägliche Zuckeraufnahme von maximal zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs. Dies entspricht ungefähr 25 Gramm. Dabei ist zu bedenken, dass in vielen Lebensmitteln versteckt Zucker enthalten ist. Sei es in Müsli, Wurst oder Fruchtjoghurts. Natürlich ist mal ein leckeres Stück Kuchen absolut erlaubt. Schließlich wollen wir alle noch mit gutem Gewissen naschen dürfen! Dennoch: Augen auf bei den Zuckerangaben!

Die verschiedenen Arten von Zucker

Zucker gibt es in unterschiedlichen Formen. Er lässt sich nach der Anzahl der Zuckermoleküle in drei Gruppen unterteilen.

1. Die Einfachzucker (auch Monosaccharide genannt), die aus einem Einfachzuckermolekül bestehen und folgende Arten umfassen:

    - Glukose: Traubenzucker, beispielsweise aus Obst oder Honig
    - Fruktose: Fruchtzucker, ebenfalls beispielsweise aus Obst oder Honig
    - Galaktose: Schleimzucker, beispielsweise aus Milch

2. Die Zweifachzucker (auch Disaccharide genannt), die aus zwei Einfachzuckermolekülen bestehen und folgende Arten umfassen:

    - Saccharose: Rohr- oder Rübenzucker, der handelstypische Haushaltszucker
    - Raffinade: Haushaltszucker, zu 99% bestehend aus Saccharose
    - Laktose: Milchzucker, beispielsweise aus Milch und anderen Milchprodukten wie Joghurt oder Käse
    - Maltose: Malzucker, beispielsweise aus Bier, Nudeln oder Kartoffeln

3. Die Mehrfachzucker (auch Polysaccharide genannt), die aus mindestens zehn Einfachzuckermolekülen bestehen und folgende Arten umfassen:

    - Stärke: Die wichtigste Zuckerform zur Energiegewinnung, beispielsweise aus Kartoffeln, Getreide und Gemüse
    - Glykogen: Speicherform und Bereitsteller von in Übermaß vorhandenem Glukose (Traubenzucker)


Brauner und weißer Zucker

Brauner vs. Weißer Zucker

Viele denken, es verhalte sich ähnlich wie beim Mehl, und der braune Zucker sei gesünder als der Weiße. Dies ist allerdings nur ein weit verbreitetes Gerücht. Beide Arten, brauner wie auch weißer Zucker, enthalten gleich viele Kalorien, Kohlenhydrate und sind beide gesundheitsschädlich für die Zähne. Brauner Zucker wird in der Herstellung lediglich seltener gereinigt und weist dadurch eine geringe Menge mehr Mineralstoffe und Vitamine auf. Jedoch handelt es sich hierbei um einen Mengenunterschied, der keinen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat. Wenn man einen Unterschied zwischen den beiden Zuckerarten ziehen möchte, ist es die Farbe und der Geschmack. Der braune Zucker schmeckt leicht nach Karamell. Beide, der Farb- als auch Geschmacksunterschied, erklären sich mit der geringeren Aufreinigung des braunen Zuckers. Der braune Zucker wird in der Herstellung seltener aufgereinigt als der weiße Zucker, wodurch folglich mehr Sirup Reste enthalten bleiben, die dann den farblichen und geschmacklichen Unterschied machen.

Ist Honig gesünder als Zucker?

Ob als Süßungsmittel im Joghurt oder als Aufstrich für das morgendliche Brot – Honig ist bei vielen beliebt. Doch ist Honig gesünder als Zucker? Wahr ist, dass Honig einige positive Eigenschaften hat. Honig enthält viele Antioxidantien, die toxische Stoffe wie freie Radikale im Körper abbauen. Außerdem beinhaltet er Spuren von Mineralstoffen, Vitaminen und Enzymen. Jedoch sind diese positiven Bestandteile in so geringem Umfang enthalten, dass sie bei normaler Verzehrmenge des Honigs keine gesundheitsstärkenden Auswirkungen haben. Denn Honig besteht zu 80% aus Trauben-, Frucht- und anderen Zuckerarten und ist somit nur eine Art andere Form von Zucker. Zudem weist Honig einen ähnlich hohen glykämischen Index auf. Folglich muss die These „Honig ist gesünder als Zucker“ leider widerlegt werden.

Trauben

Hält Traubenzucker wirklich fit?

Wahrscheinlich kennen alle Eltern die Vermutung, dass ihr Kind sich in der Schule besser konzentrieren kann, wenn es etwas Traubenzucker mitnimmt. Auch durch die Werbeindustrie wird diese Behauptung fleißig unterstützt. Zunächst stimmt das auch, da Traubenzucker tatsächlich für eine kurze Zeit den Blutzuckerspiegel stark ansteigen lässt und so das Gehirn mit viel Energie versorgt. Dies kann dann für eine kurzzeitige leicht erhöhte Konzentration führen. Jedoch liegt hier die Betonung auf kurz. Im direkten Anschluss schüttet der Körper nämlich eine große Menge Insulin aus. Die hohe Insulinzirkulation sorgt folglich dafür, dass der Blutzuckerspiegel schnell wieder rapide sinkt und man sich anschließend erst Recht schlapp fühlt und in ein Konzentrationsloch fällt. Dem Kind künstlichen Traubenzucker mitzugeben bewirkt also unter Umständen genau das Gegenteil von dem, wofür es dienen soll und bekannt ist. Die Forschung ist bereits so weit sagen zu können, dass industriell hergestellter Traubenzucker gesundheitsschädigend sein und unter anderem Kopfschmerzen, Darm-Unwohlsein oder Kreislaufprobleme verursachen kann. Den Kindern derlei Traubenzucker mitzugeben können wir uns also in Zukunft sparen.